Diana di J.

Tischlein deck Dich, Esel streck Dich…

Wie die Kirche mit ihrer Aufarbeitung ein Märchen wiederbelebt

Jeder Betroffene hat eine Leidensgeschichte, die seine Seele im Laufe des Lebens gegerbt hat. Diese Geschichte ist Gold wert, wie sich im Zuge der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch durch Kleriker und Ordensangehörige dem aufmerksamen Beobachter erschließt.

Und Betroffene haben gelernt ihre Umwelt aufmerksam zu studieren, denn es war ihre einzige Überlebenschance.
Was Betroffene von anderen Kindern unterscheidet, die in Sicherheit und Geborgenheit aufwachsen dürfen, geliebt, gefördert und unterstützt bis sie als Erwachsene ihr Leben selbst gestalten können, ist, dass Ihnen genau das alles vorenthalten wird.
Aus Gründen, die sie nie selbst zu verantworten haben, geraten sie noch wehrlos und voll kindlichem Vertrauen in die Hände von „Vätern“, die sie ausnutzen und wenn sie nicht mehr zu gebrauchen sind, prügelnd vom Hof jagen. Verunsichert und suchend begegnen sie dann vielen falschen Wirten, die sie austricksen und ihnen das Wertvollste nehmen.
Wieder und wieder müssen sie zusehen, wie sich der reiche Tisch für andere deckt. Und auch ihr selbstverdienter Dukatenesel, der sie für ihre überragenden Trotz-allem-Leistungen belohnen sollte, spuckt sein Gold in die Hände derer, die nichts dafür tun müssen, außer das Vertrauen (der jetzt erwachsenen und noch immer gutgläubigen Kinder des Leids) ein weiteres Mal zu missbrauchen.

Wenn ich mir die Aufarbeitungsgeschichte der Kirche von der ersten Welle 2010 bis 2021 so ansehe, dann erkenne ich, dass das Mühsal weiter nur bei den Betroffenen liegt und der Gewinn bei den Profiteuren unseres Leids.
Damals wie heute schreiben die Akteure die Geschichte weiter.
Mit Gier, Heuchelei und Lügen, mit Intrigen, Täuschung und kalten Herzen, vor allem dort wo in goldenen Lettern Barmherzigkeit auf den Fahnen steht.
Betroffene haben eine Leidensgeschichte, deren Anerkennung ein Teil der Heilung sein könnte. Aber die Anerkennung des Leids ist eine Mogelpackung, die mehr verspricht als sie hält.
Die vorgetäuschte Anerkennung, das Zuhören, das Wahr-Nehmen ist in Wahrheit ein Geschäftsmodell geworden: Du erzählst mir Deine Geschichte und ich mache sie zu Geld – von dem Du aber nichts bekommst.

Das ist der Deal.

Unsere Leidensgeschichten werden eingespeist in ein Wirtschaftssystem, das nichts verliert, denn es ist ein geschlossener Kreislauf von Machthabern, die zwar so tun als ob sie etwas täten, aber in Wirklichkeit nichts tun.
Die Verblendung ihrer Selbstwahrnehmung strahlt so auf andere über, dass der klare Blick und das wahre Wort fast unmöglich sind.
Die Selbstbe-Weihräucherung erzeugt auch im Jahr 2021 noch einen Nebel, der vieles undurchsichtig sein lässt, was sowieso keiner sehen soll.

In unserem Bistum wurde jüngst eine neue universitäre Studiengruppe der katholischen Fakultät berufen, die in sechs Jahren eine historische Aufarbeitung mit Täternennung und Strukturaufdeckung zum Ziel hat.
Pikanterweise ist der Sitz dieser Fakultät in den Gebäuden einer der mächtigsten Täterorden in unserer Stadt, welche durch die Miete für ihre Klosterräume wieder an der Arbeit der Studiengruppe mitverdienen.
Wer glaubt da wohl noch an Neutralität und Unbefangenheit der sogenannten unabhängigen Studie?
In sechs Jahren haben die Menschen außerdem vergessen, was das Ziel der Gruppe war, wer sie sind, welche Rolle sie in dem verwirrenden Geflecht der vielen kirchlichen Aufarbeitungsprojekte spielen.

Aber genau DAS ist das Ziel.

Die Ablenkung vom Wesentlichen.
Das Wesentliche ist weiterhin das Ausbeuten der Leidensgeschichten, nicht – wie versprochen – die Klärung und Wiedergutmachung.
In sechs Jahren werden einige findige Juristen es zu verhindern wissen, dass Täter benannt werden, und wenn, dann nur die toten, derer man leider nicht mehr habhaft wird. Und deren Totenruhe man auch nicht mit Verleumdungen stören will, denn sie können sich ja nicht mehr wehren.
Wenn die Betroffenen sich dann auch dezimiert haben, durch Corona, Enttäuschung, verlorene Hoffnung und das Retraumatisierungskarussell in der Aufarbeitungspandemie der Kirche, wird auch niemand mehr danach fragen.
Aber sicher ist, dass in den sechs Jahren, wie auch in den letzten 10, 20 und 60 Jahren die Ausbeutung und der Missbrauch menschlichen Leidens weitergeht und andere sich gütlich daran bereichert haben werden.
Der Tisch mit den besten Köstlichkeiten deckt sich wieder für die, denen es noch nie an etwas gemangelt hat und das Gold der Esel nehmen sie, auch wenn es aus den Händen derer kommt, derer sie sich schon früher zu ihrem Vergnügen bedient haben.
Für das Volk der Betroffenen und Betrogenen bleibt am Ende nichts als Brot und (Intrigen-)Spiele.
Das hat schon im Römischen Reich funktioniert und tut es auch noch heute noch.
Der goldene Kelch und der Tabernakel, aus dem sie in feierlicher Zeremonie den Leib Christi entnehmen, um ihn gönnerhaft mit dem Volk zu teilen, bleiben am Ende wieder bei ihnen.
Sie trinken den Wein, während die Blutenden nicht wissen, woher sie das Wasser für ihre Wundenwaschung nehmen sollen.
Die geweihte Oblate, die so feierlich auf den Zungen der betenden und – Gott sei Dank – dann schweigenden Gläubigen vergeht, war vorher in einem Plastiksack in der Sakristei mit tausend anderen aufbewahrt und der Einkaufswert unterschreitet bei weitem, was die Gläubigen dafür zu geben bereit sind.
Vom Klingelbeutel, über die Kirchensteuer bis zu den Erbnachlässen, die den barmherzigen Nonnen für ihre Krankenpflege und für die letzte Ölung des Pfarrer der Kirche überschrieben werden. Besonders findige klerikale UnternehmerInnen beschäftigen dann Anwälte für Erb, Bau- und Betreuungsrecht, die sie als diakonische (oder diabolische) Notfallseelsorger an die Krankenbetten der Sterbenden schicken, damit die letzte Unterschrift auch wirklich auf dem richtigen Dokument landet,,,,
Ein geschlossener Kreislauf, der nichts verliert aber beständig neues Gold aufnimmt.
Und jetzt das Gold von den Leidensgeschichten der alten grauen Eselsherde, die zwar etwas lästig und stur daher kommt, aber mit ein paar Zauberworten immer wieder neues Gold in den Kreislauf punpt.

„Bricklebrit“…. Frischgold sozusagen, von denen, die früher schon als Frischfleisch sehr ergiebig waren. Ich habe mal eine Liste derer zusammengestellt, die mit dem Studium unserer Akten, der Verwendung und dem Weiterverkauf unserer Daten und anderen parasitären Aktionismen den Mist unserer Leben in Gold und Ehre für sich verwandeln:

Bischöfe, Priester, Bistumspersonal, Missbrauchsbeauftragte, Gutachter, Staatsanwälte, Anwaltskanzleien und deren Personal, Therapeuten, Wissenschaftler und deren Mitarbeiter, Kliniken, Ärzte und deren Personal, Journalisten, Fernsehsender, die hochdotierten Mitglieder der UKA, ehemalige Richter von OLG, LSG, BSG, die mit einem zweiten Leben (oder Januskopf) plötzlich auf die Aufklärerseite wechseln, wo sie vorher nur die berechtigten Opferentschädigungsansprüche abgewehrt haben, Präsidenten derselben und der gesamte Justizapparat, der an den für Betroffene unsäglichen OEG-Prozessen hängt, Versorgungsämter, Jugendämter, Politiker, die sich für Änderungen einsetzen oder Geld kassieren, damit sie es unterlassen, Ordensgemeinschaften und deren Personal, sogenannte Opferorganisationen, die sich den Täterorganisationen als Berater andienen…. usw. usw.
Die Liste kann gerne weiter ergänzt werden, aber mir ist jetzt schon schwindelig…
All diese Menschen profitieren von unserem Leid. Sie finanzieren mindestens ihren Lebensunterhalt damit oder erschaffen sich damit ein lukratives Nebeneinkommen.
Manche von ihnen auf dem langen Überlebensweg erweisen sich als hilfreich, sind empathisch und tatssächlich an unserer Heilung interessiert, aber die meisten der o.g. Begegnungen haben mir neue Steine in den Weg geworfen. Felsbrocken, ganze Berge, dicke Mauern aus Schweigen und Ablehnung begleitet von Diskriminierung und Demütigungen, wenn sie mich wie eine arme Bettlerin von ihren reichen Höfen jagten.
Mich und viele viele andere. Dunkelziffern im sechstelligen Bereich….
Aber sie jagen uns nicht davon, ohne vorher unser Wertvollstes an sich zu nehmen: unsere Leidensgeschichte, die gut dokumentiert in den bischöflichen und juristischen Akten zu deren Eigentum wird und jedem zur Verfügung gestellt werden kann, meist ohne Rücksprache mit oder Gegenleistung für uns.
Im Dienst der „Aufklärung“, der „Wissenschaft“, der „Wahrheitsfindung“ oder zur besseren Vertuschung durch Vernichtung der Täterakten, die ja nur bekannt werden, wenn WIR sie im geschlossenen Kämmerlein benennen.

Es ist ein grausames Spiel, wenn man genau hinsieht.

Und es verdient nichts anderes, als das, was am Ende des Tischlein-deck-dich-Märchens für Gerechtigkeit und Beendigung des Leides sorgt..
den Knüppel aus dem Sack!

Zwar ist Gewalt in der Regel keine Lösung, aber die Symbolik der Grimmschen Märchen hat mich gelehrt, dass am Ende immer die Guten siegen und die Bösen ihre gerechte Strafe ereilt.
Und daran glaubt der kleine heile Kern in meiner Seele, den ich durch die Jahrzehnte und die Wirren meines Lebens retten konnte, noch immer.
Daraus speisen sich meine Überlebenskraft, mein Wiederaufstehwille, die Hoffnung, der Mut und die Kraft, welche der Motor sind, der mich antreibt nicht aufzugeben, bevor wir unser Ziel erreicht haben.

Ein anderer faszinierender Held meiner Kindheit hat mich nämlich das Wesentlichste gelehrt und langsam erschließt sich mir auch sein Geheimnis, das da heißt:

Das Stehaufmännchen zeigt erst im Umfallen was es kann!


Das Beichtgeheimnis

oder
Der Geruch priesterlichen Ejakulats

In Frankreich wird in diesen Tagen darüber beraten, ob das Beichtgeheimnis der Katholischen Kirche über dem Gesetz des Staates Frankreich steht.
Der Erzbischof Éric de Moulins-Beaufort, Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz, bejaht die Frage mit der unerschütterlichen Arroganz eines hochrangigen Klerikers.
Der Innenminister Gérald Darmanin verneint dies im Auftrag von Präsident Macron.

Auslöser für diese Debatte ist die Studie, die besagt, dass ca. 330.000 Kinder in Frankreich Opfer sexueller Übergriffe durch Kirchenpersonal wurden.
Bei Vorstellung der Studie sagte Francois Deveaux, der Gründer der Betroffenengruppe im Sinne des Gruppennamens „La Parole Liberée“:

Meine Herren, Sie sind eine Schande für die Menschlichkeit.“

Der Papst begann sich daraufhin öffentlich zu schämen und beteuerte einmal mehr, wie wichtig es sei, die Betroffenen in den Mittelpunkt der Debatte zu setzen……
Ich betrachte alles aus dem braven Deutschland, in dem sich kein Politiker in die Kirchengeschäfte einmischt, solche Debatten also gar nicht begonnen werden.
Bischöfe (wie Marx, Woelki, Heße, Schwaderlapp) bleiben trotz nachgewiesener Pflichtverletzungen auf ausdrücklichen Wunsch des (sich für Frankreich schämenden) Papstes im Amt und eine angeblich kirchenunabhängige Expertenkommission für die „Anerkennung des Leids“ erzeugt seit Monaten grob fahrlässig neues Leid bei den Antragstellern.

Das ist Deutschlands Definition vom Mittelpunkt.

Beschwerden, Hilferufe und Brandbriefe der Betroffenen werden nicht ernst genommen. Weder die bereits vielfach erlittenen Retraumatisierungen, noch drohende Suizide derer. die das Warten und Vertrösten nicht mehr ertragen können.
Kranke Menschen sterben bevor die Kommission ihre Entscheidung fällt und andere stellen schon keinen Antrag, weil sie sich aus intuitivem Selbstschutz das lange Warten auf Tag X ersparen wollen.
Während uns täglich von den Bischofsstühlen der kalte Wind der klerikalen Verständnis- und Empathielosigkeit entgegenweht, darf im benachbarten Frankreich der Betroffene Deveaux zur selben Zeit öffentlich fragen, „ob vielleicht das Leben ohne Frauen die männlichen Kleriker emotional derart verkümmern lässt….“
Der französische Laizismus zeigt, was er kann!

Aber zurück zum Beichtgeheimnis.

Es sind viele Orte bekannt geworden, wohin manipulative Kleriker ahnungslose, ihnen vertrauende Kinder lockten oder befahlen, um sich an ihnen zu befriedigen.
Und auch die Taten waren so vielseitig, wie es die sexuelle Natur des Menschen zulässt.

Sozusagen grenzen-los:

– Vom Keller bis zum Dachstuhl in Kinderheimen und Internaten,
in welchen Ordensangehörige gegen entsprechende Vergütung
für Zuführung und Stillschweigen der Kinder sorgten.

– In den Betten von Nonnen und Ordensbrüdern, die sich selbst
nicht mehr genügten und dem zwangsverordneten Zölibat erst
recht nicht….

– Von der Sakristei bis auf dem Altar, im Pfarrhaus, im Ferienlager,
im Wald.

– In den Kinderzimmern der Familien, zu denen der hoch verehrte
und als Freund getarnte Gemeindepriester Zugang hatte.

– Auf Kirchweihfesten, bei denen das Kind (zum Stolz der
gegenübersitzenden Eltern) auf dem Schoß des Herrn Pfarrers
sitzen durfte, während er unter dem Tisch seine Finger in die
Vagina oder den After des Kindes steckte, das vor aller Augen
erstarrte, ohne dass jemand seine Not wahrnahm.

– Im Auto, wenn der gute Herr Pfarrer die Kinder zur Schule
mitnahm und Kinder auf dem Rücksitz zu schweigenden
Komplizen machte, weil sie sahen, wie er dem Kind auf dem
Beifahrersitz in die Hose und den Genitalbereich fasste.

Und natürlich auch im Beichtstuhl.

Von Liebesbekundungen, Befummeln, Zungenküssen, in die Öffnungen eindringen – mit Fingern und geweihten Gegenständen, – bis zur brutalen Vergewaltigung, einzeln oder in Gruppen, mit Herstellung von kinderpornografischen Filmen und Fotografien.
Es gibt nichts, was geweihtes Personal an Perversitäten und verbrecherischen Handlungen mit Kindern ausgelassen hat.
Weder in Deutschland noch in Frankreich, Irland, Kanada, USA, Chile, weltweit…..
Immer schon und immer noch!
Das sind die kleinen Beichtgeheimnisse der heiligen Herren und Damen, die sich der Welt als Verkünder des Heils mit besonders hohen moralischen Ansprüchen verkaufen.
Überall auf der Welt kosten und kassieren sie ungezügelt, was sie für ihren hochherrschaftlichen Lebensstil und die Insignien Ihrer Macht brauchen.
Die 15.000 Euro, mit denen ein Bischof monatlich offiziell ent- und belohnt wird, plus die Gelder, die sich mit innerkirchlichem Kindesmissbrauch zusätzlich verdienen lassen, kommen selten aus dem kirchlichen Etat, aber gerne hinein.
Die Pervertierung des christlichen Gedanken von Armut und Demut kann man dort beobachten, wo sich Bistümer mit den ortsansässigen Orden um Immobilienbesitz streiten oder Geldwäschen und sonstige Finanzskandale publik werden.
Überall dort, wo Hochmut und Übermut aus den dicken Gemäuern quellen, weil sie sich auch sonst nicht beherrschen, sind die Ansprüche an das Kirchenvolk besonders hoch.
Völlerei und Ausschweifungen wie im alten Rom finden sich auch in Limburg, Paris und Dublin. Der Fisch stinkt immer am Kopf – so auch im hierarchischen Machtgefüge der Katholischen Kirche.
Womit wir beim Ejakulat des Priesters im Beichtstuhl angelangt wären.

Denn es geht ja um das Beichtgeheimnis.

Eines meiner Beichtgeheimnisse geht auf mein sechstes Lebensjahr zurück.
Zu dieser Zeit brachte mich eine Nonne des Kinderheimes regelmäßig zum Beichten.
(Wichtig für Nichtkatholiken; Das Sakrament der Beichte wird offiziell Kindern erst nach der Kommunion im 9./10. Lebensjahr erlaubt! Offensichtlich waren Heimkinder, denen es sonst an allem fehlte, hier auf perfide Weise privilegiert….)
Stickige dunkle Räume mit einem süßlichen Geruch kann ich bis heute nicht ertragen, ohne dass es mir übel wird und mein ganzes System rebelliert.
Der Ursprung liegt mittlerweile 55 Jahre zurück.
Schon oft wurde berichtet, dass Priester auch kleine Kinder bei der Beichte nach ihren sexuellen „Sünden“ befragten.
Selten führen die Berichte aus, was der Priester noch in dem Beichtstuhl auf der anderen Seite des Gitterfensters tut, während er das Kind mit Fragen beschämt, die zu nichts anderem dienen als ihn aufzugeilen. ….
Ich wusste als 6-jährige nicht, warum er beim Befragen immer schwerer atmete und keuchte, warum es nach Schweiß und irgendwann süßlich in dem stickigen Holzkäfig roch.
Ich wusste nur, dass ich nicht entkommen konnte, weil draußen die Kinderheimnonne darüber wachte, dass ich den aufrechten Sarg nicht verließ, bis der Pfarrer mit meiner Befragung und seinen damit verbundenen Angelegenheiten fertig war.
Bis er das frisch erzeugte Salbungsmaterial in seinen Händen hielt, mit welchen er mir am Ende ein Kreuz auf die Stirn zeichnete, mich als sechsjähriges Kind von meinen ungeheuren Sünden befreite und damit vor der Abholung durch den Teufel bewahrte.
Der Geruch der „Salbe“ auf meiner Stirn kommt immer dann in meine Erinnerung zurück, wenn es in einem Raum dunkel und stickig ist.
Dann erzeugt die Erinnerung ein Würgen und zieht viele noch schlimmere Bilder aus der Vergangenheit in die Gegenwart.
Das Einzige, was mich heute als Erwachsene in Zeiten der überflutenden Erinnerungen stabilisiert, sind die Worte, in die ich all das jetzt fassen kann.
Und das gleichsam grausame wie tröstende Wissen, dass ich nicht mehr alleine ausgeliefert bin, wie ich es damals als lebendig begrabenes Beichtgeheimnis ohne Entkommen war.
Ich bin eine von vielen Tausenden oder Millionen, deren Leben nie mehr wurden, was sie einmal hätten sein können, nachdem wir einem gewalttätigen Katholizismus geopfert wurden. Eine meinem Verständnis nach eklatante Fehlinterpretation der Worte Jesu, als er sagte: „Lasset die Kinder zu mir kommen….“

Ich verstehe daher nicht, wie es irgendein Bischof noch wagen kann, das Beichtgeheimnis als ein heiliges Sakrament über die Gesetze des Staates zu stellen, der ihn und seinesgleichen ernährt.
Die Katholische Kirche hat meines Erachtens jede Gnade und jedes Sonderrecht verwirkt.

Damit ist die Debatte beendet.

Denn diese Debatte entlarvt einmal mehr jede Reuebekundung und lässt die Kirchenherren mit ihrer vorgetäuschten Wahrheit so nackt dastehen wie den eingebildeten Kaiser in seinen (nicht vorhandenen) neuen Kleidern.